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Medien Standpunkt 6-2004
Standpunkt 6/2004: Sommer gescheitert! Ein nicht ganz ernstgemeinter Wetterzustandsbericht

Es ist nicht mehr auszuschließen, dass der Eine und die Andere kurz davor stehen, eine Depression zu bekommen. Gelegentlich droht auch schon der Herzkasper! Dieser Sommer hat bislang nicht gehalten, was er sonst verspricht.

Aus sportlicher Sicht:

Die Fussball-Europameisterschaft: Unsere Mannschaft war wirklich kein Dream-Team. Spitzenleistungen waren bei unseren besten Fussballern nicht erkennbar – zumindest was Fussballspielen angeht. Kein Wunder also, dass sich die Suche nach einem Bundestrainer ausgesprochen schwierig darstellt. Die Absagen von Hitzfeld und Rehhagel entlarven die vorhandenen Defizite.

Formel 1 wird immer langweiliger. Michael Schumacher fährt unangefochten der nächsten Meisterschaft entgegen. Tour de France, ein weltweit aufsehenerregendes Sportereignis, stellt unter Beweis, dass Radfahren bei regennasser Fahrbahn mit großen Risiken verbunden ist und taktische Finessen trotz langer – auch mentaler – Vorbereitung gelegentlich in der Pfütze landen. Olympia 2004 in Athen rückt näher. Wo sind unsere Athleten, den wir so gerne eine Medaille gönnen? Statt dessen liest man von Rücktritt, nicht Erreichen der Olympianorm usw. Es sieht nicht nach einem Medaillenregen aus, eher nach einem verregneten Sommer.
Dabei hätte es zumindest sportlich gesehen mit deutscher Beteiligung spannend und interessant in diesem Sommer werden sollen.

Aus sozialpolitischer Sicht:

Auch hier ist mehr als zweifelhaft, ob der Sommer seine Erwartungen erfüllt. Die Unterschriftenkampagne unter Gewerkschaftsmitgliedern als massenhafter Protest gegen die Agenda 2010 des Bundeskanzlers angekündigt rutscht langsam in ein Sommerloch. Der Streit um das beste Modell zur dauerhaften Konsolidierung unserer gesetzlichen Krankenversicherung strapaziert den besorgten Bürger in beachtlichem Maße und trägt nicht dazu bei, Vertrauen den politisch Verantwortlichen entgegen zu bringen. Es ist erkennbar der Streit zwischen denjenigen, die durch Umverteilung den eigenen Leistungsträgern mehr aus der Tasche ziehen wollen (und dies als soziale Gerechtigkeit verkaufen), und denjenigen, die der Auffassung sind, dass nur durch harte Einschnitte in Besitzstände eine dauerhafte Reform erreicht werden kann.

Die nach wie vor unverändert hohen Arbeitslosenzahlen (durch statistische Manipulation lassen wir uns nicht verwirren) stellen unter Beweis, dass die arbeitsmarktpolitischen Instrumente von Hartz I bis IV sowie die Agenda 2010 bislang nicht ausreichen, um Wachstum und Beschäftigung dauerhaft auszulösen.

Inzwischen wird auch immer deutlicher, dass die flächenweite Verkürzung der wöchentlichen Arbeitszeit von 40 auf 35 Stunden außerhalb von Deutschland Arbeitsplätze schafft. Mit einer generellen Arbeitszeitverkürzung ist kein Wachstum zu erzeugen, das in der Lage sein könnte, die bislang vorhandene soziale Hängematte dauerhaft stabil zu halten.

Und die Aussichten:

Die bisherigen Reformschritte werden sich weiterhin als unzureichend erweisen. Positive Ergebnisse werden ausbleiben. Damit setzen Politik und Gewerkschaften die Reformbereitschaft der Bevölkerung nachhaltig aufs Spiel.

Es wird nicht ausreichen, sich als engagierter Beobachter und Teilhaber unserer Freizeitgesellschaft zurückzulehnen und sich an das Lied von Rudi Carrell zu erinnern " Wann wird‘s denn endlich wieder Sommer, .....schuld ist nur die SPD." So einfach geht das nicht.

Wir müssen unseren eigenen Gürtel enger schnallen. Wir müssen uns lösen von einer Anspruchsmentalität, die weder wir noch unsere Kinder künftig werden bezahlen können. Für Depressionen ist wahrlich keine Zeit. Es gibt viel aufzuräumen. Fangen wir endlich an! Dann ist uns auch der verregnete Sommer weitestgehend egal.

Dortmund, den 26. Juli 2004