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Medien standpunkt 10-2005
Standpunkt 10/2005: Wir haben es in der Hand!

Eindringlich appelliert Bundespräsident Horst Köhler an unsere Verantwortung. Recht so! Tatsächlich haben wir es in der Hand, was aus uns wird, wie wir künftig aufgestellt sind, ob wir unserer Jugend noch eine geordnete und gesicherte Zukunft vermitteln können.

Spaßgesellschaft und Beliebigkeitskultur haben uns in eine verheerende Situation gebracht. So wird uns nicht mehr geholfen. Die meisten von uns wissen, dass es so wie bisher nicht mehr weitergehen kann. Wir sind uns auch überwiegend bewusst, dass wir schon lange über unsere Verhältnisse leben. Wir werden uns in beachtlichem Umfang einschränken müssen. Auch damit rechnen wir.

Es reicht daher nicht, am Wahltag das Kreuzchen zu machen oder auch nicht. Es ist ausgesprochen verantwortungslos, sich als bescheidene Teilmenge des so genannten demokratischen Souveräns am Wahltag nach dem Wahlgang zurückzulehnen in dem subjektiven Empfinden, alles erforderliche getan zu haben.

Es fängt bereits mit der Wahlentscheidung an: Verärgerung, Medienstimmung, Image, Kommunikations- und Inszenierungsqualität (Talkshows, Streitrunden, Wahlevents) sind keine geeigneten Grundlagen für eine stetige und nachdrückliche Verbesserung unserer Zukunftsaussichten. Es ist wenig zielführend, eine Partei aus persönlicher Betroffenheit abzustrafen, als Wähler zu taktieren oder gar ganz zu Hause zu bleiben. So werden wir unserer gesellschaftspolitischen Verantwortung nicht gerecht.

Unsere gesellschaftspolitische Verantwortung hat etwas mit unserer westeuropäischen christlich geprägten Kultur und den damit verbundenen Werten zu tun. Besinnen wir uns wieder auf diese Grundwerte wie z.B. gegenseitige Rücksichtnahme, Anstand, Bescheidenheit, Interesse füreinander, Duldsamkeit und Selbstbeherrschung! Vermitteln wir der Jugend, unserer Zukunft, die Sinnhaftigkeit dieser Werte durch eigenes vorbildliches Verhalten. Wir sind in aller Regel in der Lage, die für uns maßgebenden Werte zu identifizieren und für sie einzutreten. Nur so gelingt es uns, einen stetigen und nachdrücklichen Wandel von der Spaßgesellschaft hin zu einer Gesellschaft mit Verantwortung zu bewerkstelligen.

Wir dürfen unsere Augen nicht davor verschließen, warum wir uns in einer verheerenden Situation befinden. Unsere Staatsfinanzen sind total verschuldet. Jedes Kind, das heute geboren wird, hat schon mit seinem ersten Atemzug über 17.000,-- € Schulden. Es ist vermessen anzunehmen, dass unsere Kinder bereit sein werden, für eine derart rücksichtslose Schuldenpolitik der letzten Jahre, die die Generation ihrer Eltern und Großeltern zu verantworten hat, aufzukommen.

In unserem Land leben ca. 82 Mio. Menschen. Davon sind heute nur noch rund 26 Mio. Menschen sozialversicherungspflichtig beschäftigt. Noch nie mussten so wenige das Sozialprodukt für so viele erwirtschaften.

Unser künftiger Wohlstand wird daher entscheidend davon abhängen, ob es nach der Bundestagswahl der neuen Regierung gelingen wird, prioritär eine stetige und nachdrückliche Arbeitsmarktpolitik umzusetzen. Wir werden mehr arbeiten müssen als wir konsumieren; wir werden mehr Wachstum durch mehr Arbeit erzielen müssen; wir werden für Bildung, Gesundheit und Alter mehr arbeiten müssen.

Dafür brauchen wir verantwortungsbewusst handelnde Leute, auf die wir uns verlassen können, denn sonst sind wir verlassen. Wir brauchen staatspolitisch handelnde Politiker, die sich nicht versprechen, wenn sie etwas versprechen. Es ist unsere Verantwortung, diese Hoffnungsträger zu identifizieren und ihnen den Auftrag für die neue Regierung zu geben. Wir haben es in der Hand!

Dortmund, 25. August 2005