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Medien  standpunkt 4-2006
Standpunkt 4/2006: Wo bleibt die ökonomische Vernunft in dieser Tarifrunde?

Streikdrohungen bestimmen derzeit auch die Tarifauseinandersetzung in der Metall- und Elektroindustrie. Dabei sind Streiks ein ökonomischer Anachronismus. Der Streik ist ein Instrument aus der Mottenkiste des Klassenkampfs.

Eine geringe Anzahl von Streiktagen ist für unsere Wirtschaftsregion in der Vergangenheit immer ein Standortvorteil gewesen. Nun setzt die IG Metall mit ihrer 5 %-igen Lohnforderung und dem inszenierten Theater diesen Standortvorteil aufs Spiel.

Für den größten deutschen Wirtschaftsbereich, der Metall- und Elektroindustrie, droht die IG Metall mit einem flächendeckenden Arbeitskampf.

Die Metall- und Elektroindustrie ist insgesamt sehr heterogen strukturiert und besteht aus mehr als 70 Einzelsparten. Bundesweit schreibt mehr als jeder fünfte Betrieb rote Zahlen. Die Forderung der IG Metall nach 5 % mehr Lohn ist insbesondere für diese Unternehmen fernab jeder ökonomischen Realität. Der brutale Wettbewerb auf den Weltmärkten verbietet hohe Tarifsteigerungen, die tabellenwirksam sind, sich also in den nächsten Jahren fortschreiben. Florierende Betriebe haben immer schon Wege gefunden, ihre Beschäftigten am Erfolg teilhaben zu lassen.

Erkennbar vermischt die IG Metall Lohnpolitik und organisatorische Interessen. Inszeniertes Theater wie Warnstreiks, Demonstrationen, Kundgebungen vor dem Verbandshaus und Autokorsos sind Gelegenheiten zur Werbung in eigener Sache, denn insgesamt ist im Jahr 2005 die Zahl der Mitglieder auf den niedrigsten Stand seit der Wiedervereinigung gefallen. Je mehr inszeniertes Theater, umso mehr Beitrittsformulare, denn nur dann gibt es Streikgeld von der Gewerkschaft. Ob damit allerdings Beschäftigung in Deutschland gehalten wird oder Investoren für ein Engagement in Deutschland gewonnen werden können, ist mehr als fraglich. Außerdem will sich der Bezirksleiter der IG Metall Nordrhein-Westfalen mit einem hohen Pilotabschluss in seinem Bezirk für höhere Aufgaben beim bevorstehenden Personalwechsel an der Führungsspitze der IG Metall empfehlen.

Bei dieser sehr komplexen Situation steht zu befürchten, dass die ökonomische Vernunft unterliegen wird, wenn es am Wochenende nicht zu einer sachgerechten Verständigung kommt.

Dortmund, den 19. April 2006